Logbuch der Resonanzsymmetrie

Ein Register der Phasenkoinzidenzen

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Prolog

Es passiert dir selten, und nie auf Befehl. Du läufst, du fährst, Musik im Ohr oder einfach nur Stille, und auf einmal fügt sich für einen Wimpernschlag alles zusammen — und du musst lachen, weil es zu viel ist. Du willst es behalten. Das kannst Du nicht.

Du bewegst dich, und du schwingst — Schritt, Puls, Atem, alles oszilliert. Musik, Takt, dein Körper rastet ein. Und dann legt die Welt genau im richtigen Augenblick ihr Eigenes dazu, und für einen Atemzug schwingt alles gemeinsam, die Amplituden addieren sich, und es freut dich nicht, es haut dich um. Die Grenze zwischen dir und der Welt wird dünn, weil es keine zwei Dinge mehr gibt, sondern ein einziges, das schwingt. Resonanz. Lachen. Überlauf.

Und irgendwann kommt es wieder. Nie dasselbe — aber dieselbe Gestalt, in anderer Tonart. Anderer Ort, anderes Jahr, ein Jet statt einer Schattenkante, ein Stahlrenner statt ein Paar Laufschuhe, ein Lachen eines geliebten Menschen. Alles ringsum verschoben, und mittendrin die Form unversehrt. Da ist es wieder. Dein Leben reimt sich auf sich selbst. Nicht Wiederholung. Symmetrie.

Herbeiführen kannst du es nicht. Von den Wellen, die sich überlagern müssen, gehört nur eine Dir. Die schickst du los - laufen, atmen, bereit sein. Die anderen sind für sich selbst, und ob sie sich treffen, ist nicht deine Entscheidung. Darum kommt es wieder, ohne dass du je wüsstest, wann. Darum kannst du es nicht rufen. Und darum kannst du es nicht halten, denn der Augenblick, in dem alles stimmt, hat keine Dauer — es ist vorbei, während du ankommst. Keine Länge, keine Breite, Raum und Zeit, einst und jetzt in einem Punkt — unendlich dicht. Phase.

Sag also nicht verweile doch,.. Daran verliert Faust seine Wette. Den Moment bleiben lassen wollen heißt, ihn vernichten — eine festgehaltene Resonanz ist keine mehr, nur ein stehender, toter Ton. Das Lebendige ist das Vorübergehen. Du gewinnst, sobald du aufhörst, gewinnen zu wollen.

Also fängt dieses Buch nichts ein. Es lässt jeden Moment ziehen, wartet auf den Nächsten und vertraut, dass die Form wiederkommt. Was bleibt, ist nicht der Eintrag, sondern die Reihe. Unten wartet immer eine leere Zeile auf das nächste Mal — ein Versprechen, keine Garantie. Irgendwann bleibt die letzte für immer leer. Aber das soll hier nicht Sorge sein. Hier wird notiert, hier trauert nichts.

Schreib also nichts schön. Notier nur, was war. Und lass unten eine Zeile leer.

Die Einträge

№ 1  —  November 2015, Herzlia → Tel Aviv

Es muss zehn Jahre her sein. Zwischen Herzlia und Tel Aviv gibt es eine Strandpromenade, auf der man perfekt mit dem Rennrad fahren kann. Ich bin voll am Drücker mit meinem alten Stahlrenner, die Sonne im Gesicht, der Wind im Rücken, Rockantenne im Ohr. Traumhaft.

Und dann kommt es: Hinter mir setzt am alten Flughafen ein riesiger Propeller-Jet zur Landung an — genau zum Intro von Thunderstruck. Er schwebt mit mir – in voller Fahrt. Der Donner im Ohr, der Donner in der Luft. Ein Moment für die Ewigkeit.

In Phase.


№ 2  —  November 2021, im alten Haus der Großeltern

Es ist nach Omas Tod, und Opa wohnt noch in ihrem alten Haus, bevor er ins Pflegeheim zieht. Ich bin bei ihm, wir reden — wie seit jeher. Er ist traurig, weil er allein ist. Irgendwann gehe ich. Ich stehe schon draußen am Weg, hinter dem Treppenabsatz nach dem Wintergarten bei der Eingangstür — er hat mich rausgebracht, obwohl er kaum noch gehen kann. Ich schaue zurück zu ihm.

Durch das Glas sehe ich ihn herzhaft lachen. Er lacht wie früher. Er hebt die Krücke und winkt mir damit. Ich winke ihm zurück und gehe. Er lacht dem Leben und dem Tod ins Gesicht. Ich kann nicht anders und falle wieder in dieses irrwitzige Lachen.

In Phase.


№ 3  —  Juni 2026, Augarten, Wien

Früher Morgen, ich laufe meine Runde im Augarten, Rockantenne im Ohr. Barnie legt Volbeat auf — Fallen. Die Schritte im Takt, der Körper schwebt — Puls, Atem, alles im Einklang. Ich biege beim Flakturm aus dem Schatten in die Sonne. Sie strahlt mir warm ins Gesicht.

Als ob der Quantenschaum mich trägt — und ich kann nicht anders, als vollkommen aus dem Häuschen laut zu lachen über diese phänomenal-irrwitzige Existenz.

In Phase.


№ 4  —  November 2008, Neuseeland

Nach einem wirklich anstrengenden Tag des Aufstiegs und einer schlaflosen Nacht in einer Berghütte (die Schnarcher sind nicht getrennt im Dorm untergebracht), wandere ich mit meiner Frau in das Routeburn Valley. Es ist feucht, bedeckt und regnet leicht. Meine Frau geht weit hinter mir. Am Kamm mit Blick auf das Valley bleibe ich stehen. Ich bin erschöpft. Die Regentropfen prasseln leicht auf meinen ungeschützten Kopf. Ich ziehe mir eine rote Gauloises aus dem Softpack und zünde sie mit einem meiner letzten trockenen Streichhölzer an. Der Rauch tief in meiner Lunge - das Nikotin im Blut. Der Blick auf das Valley ist atemberaubend.

In Phase


№ 5  —  ______________, ______________

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Eingereichtes wandert in eine ruhige Queue. Erscheint nur, wenn es zur Reihe passt. Ein Eintrag pro Tag.